Geschichte des Hap-Ki-do

 

 

Die Kampfkünste Koreas

Seit Beginn der Menschheit gibt es Kampf und Kampftechniken. In Ostasien wurde daraus schon vor Jahrtausenden eine hohe Kunst - eine Kunst, die sich immer ihrer Zeit und den Gegebenheiten angepasst hat.

Die Geschichtsschreibung hat uns überliefert, daß während der Regentschaft des 24. Silla Königs Chin Hung im Jahre 632 n. Chr. eine Jugendorganisation namens Hwarang (gesprochen: "Farang") entstanden ist. (Das heutige Korea bestand damals aus drei Königreichen: Silla, Päktsche und Koguryo sowie einem kleinen Fürstentum: Imna). Hwarang bedeutet soviel wie "Die Blume der Jugend".

  • Die 9 Ideale der Hwarang
  • Humanität
  • Gerechtigkeit
  • Dankbarkeit
  • Weisheit
  • Vertrauen
  • Güte
  • Loyalität
  • Tugend
  • Mut
  • Die 3 Grundregeln der Hwarang
  • Ji - die Weisheit
  • In - die Menschlichkeit
  • Yong - der Mut
  • König Chin Hung hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die drei koreanischen Königreiche zu vereinigen. Um sein Ziel zu verwirklichen, brauchte er eine schlagkräftige Armee und mutige Offiziere. Aus diesem Grunde entwickelte sich aus der Jugendorganisation der Hwarang eine Ritter - Kaste, ähnlich der der japanischen Samurai. Die Hwarang pflegten religiöse Bräuche, studierten den Buddhismus und übten sich in den Kung - Jung - Mu - Sul Techniken, also in den königlich kriegerischen Kampftechniken. Die Hwarang praktizierten schon damals die Grundformen der heutigen koreanischen Kampfkünste auf einem seit langem erprobten und hohen Niveau. (Dies soll auch in dem alten koreanischen Geschichtsdokument Samguk Yusa nachzulesen sein.) Letztendlich gelang es dann auch den Hwarang unter der Führung ihres Generals Kim Yoo Shin und mit Hilfe verbündeter chinesischer Truppen, die drei Königreiche zu einem vereinigten Reich (Groß - Silla) zusammenzuschließen (660 n. Chr. fällt Päktsche und 668 n. Chr. wird auch Koguryo besiegt).

    In den folgenden Jahrhunderten gab es Zeiten, in denen die Kampfkünste wieder mehr in Vergessenheit gerieten und Zeiten in denen sie besonders gepflegt wurden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts - nämlich 1910 - annektierte Japan Korea. Von nun an war es den Koreanern verboten, weiterhin koreanische Kampfkünste auszuüben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Korea in dem Geheimabkommen von Jalta 1948 geteilt. 1950 - 1953 kam es zum Krieg zwischen den beiden Staaten. Die Teilung in Nordkorea (Demokratische Volksrepublik / Choson) und Südkorea (Republik Korea / Tähan) ist nun ein Faktum. Da sich der kommunistische Norden dem Westen noch immer nicht geöffnet hat, sind bei uns fast ausschließlich Kampfkünste aus Südkorea vertreten.


    Die Entstehung von Hapkido

    Choi, Yong Sul Choi Yong Sul (1904 - 1987) wurde 1911 (Korea war damals unter japanischer Herrschaft) von einem japanischen Süßwarenhersteller von Korea mit nach Japan genommen. Dieser verstieß ihn jedoch nach kurzer Zeit wieder, worauf er zum Straßenbettler wurde und viele Kämpfe mit anderen Kindern hatte. Jedoch besaß Choi eine besondere Ausstrahlung, sodaß ein gebildeter Japaner auf ihn aufmerksam wurde und ihn schließlich adoptierte. Sein Adoptivvater sandte Choi zur Schule, damit er eine Ausbildung erhalten und die japanische Sprache lernen würde. Choi interessierte sich allerdings nicht für die Schule, und er hatte auch dort viele Prügeleien. Sein Adoptivvater ließ ihn also wählen, ob er in die Schule gehen, oder lieber kämpfen lernen wollte. Choi entschied sich für die Kampfkunst und wurde in eine Yawara Ryu (Daito Ryu) Schule eingeschrieben. Fortan trainierte er über 30 Jahre bei seinem Meister Takeda Shogaku (Ein weiterer Schüler von Meister Shogaku war der spätere Begründer des Aikido, Morihei Ueshiba). Als zu spüren war, daß Japan den Krieg verlieren würde, sandte Meister Shogaku seinen Schüler Choi anfang 1945 - noch vor dem Ende des Krieges - zurück nach Korea. Nach dem 2. Weltkrieg, nachdem Korea seine Unabhängigkeit wieder erlangte, war das japanische Yawara nicht sehr beliebt in Korea. Daher änderte ein Schüler von Choi den Namen von Yawara auf den koreanischen Namen Yu Kwon Sul, das bedeutet soviel wie harte und weiche Kampftechnik. Inzwischen hatte Meister Choi die weichen und runden japanischen Bewegungen des Yawara mit den harten traditionellen koreanischen Techniken des Taekyon (Vorläufer des Tae Kwon Do) verbunden.

    Ji Han Jae Ji Han Jae (geboren 1936) begann 1949 im Alter von 13 Jahren mit dem Training bei Meister Choi Yong Sul in der Stadt Tae Ku. Ji lernte ungefähr fünf Jahre bei Meister Choi und galt dort als Meisterschüler. Mit 18 Jahren (1954) lernte Ji Kampftechniken (Kurzstock, Langstock und Beintechniken) bei dem Taoisten Lee. Fast fünf Jahre lernte er bei einer buddhistischen Nonne mentale und spirituelle Techniken, Meditations- und Kiübungen (Ki = die innere Kraft). Mit 23 Jahren (1958) eröffnete Meister Ji seine erste Kampfkunstschule (Dojang). Er kombinierte alle Stile, die er bisher erlernt hatte, und nannte sie seit dem 25. Juli 1958 HAPKIDO. Auch das Symbol des fliegenden Adlers existiert seit diesem Tag. 10 Monate später übersiedelte Großmeister Ji mit seiner Schule nach Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. 1961 kam General Park Chung Hee durch einen Putsch an die Macht. Ab 1966 war Großmeister Ji 18 Jahre lang Leibwächter des Präsidenten Park Chung Hee und Ausbilder der 300 Mann starken Leibwache des Präsidenten, der koreanischen Polizei, der Militärakademien sowie der Korean - Special - Forces. Am 7. Juli 1967 wurde der fliegende Adler - das Hapkido Symbol - offiziell von der koreanischen Regierung anerkannt und registriert. 1969 kam Großmeister Ji Han Jae im Rahmen eines Informations - Austauschprogramms zwischen der koreanischen Regierung und des amerikanischen Pentagons in die USA. Großmeister Ji trainierte dort einige der Leibwächter von Präsident Nixon, F.B.I. Agenten und auch Spezialagenten (O.S.I. - Office of Special Investigation Personnel). Bei dieser Reise wurde er auch mit Bruce Lee bekannt gemacht. Bruce Lee war von Großmeister Ji sehr beeindruckt und bat diesen daher, ihn zu unterrichten. Wegen seines neuen Privatschülers reiste Großmeister Ji für 2 Jahre nach Hong Kong. Bei dem Film "Game of Death" ("Mein letzter Kampf") hat Großmeister Ji mitgewirkt. 1979 wurde Präsident Park Chung Hee ermordet und seine Anhänger verhaftet. Nach seiner Haftentlassung 1984 verließ Großmeister Ji Korea und ging in die USA (mit einem Zwischenstopp bei seinen Schülern in Deutschland Kim Sou Bong und Song Il Hak). Er eröffnete eine Schule in San Francisco (1984). Hier unterrichtet er nun auch die mentalen Techniken und nicht nur - wie bisher - die Dinge, die jeweils von ihm verlangt wurden.

    Hapkido wurde nie straff organisiert, deshalb gibt es heute viele verschiedene Stilrichtungen. Für uns sind alle Richtungen Teil einer großen Familie. Wir achten und respektieren alle seriösen Hapkido Organisationen.

     

                                           Großmeister Yong Sool Choi                                               Großmeister Kwang Sik Myung      

                          

              Großmeister Yong Sul Choi              Großmeister Kwang Sik Myung    

    Hapkido wurde zwischen 1910 und 1945 von dem Koreaner Choi Yong Sul (1904-1986) aus dem japanischen „Daito-Ryu Aiki-Jutsu“ abgeleitet. Der Hapkido Gründer gelangte als Kind im Alter von 6 Jahren nach Japan. Dort arbeitete er ab 1913 als Bediensteter für „Sogaku Takeda“ der Hauptperson des Daito-Ryu-Aiki-Jutsu. Da Koreaner zur damaligen Zeit im imperialistischen Japan nicht gerne gesehen waren, mußte Choi einen japanischen Namen (Yoshida Tatujutu) annehmen. In dem Zeitraum von 1916 bis 1943 studierte und lernte er die japanische Kunst des Daito-Ryu Aiki-Jutsu und gelangte im Jahre 1946 nach Korea zurück. Auf seiner Rückreise wurde Choi sein Geld und auch seine Reisetasche mit den Urkunden von Takeda gestohlen, so daß er zunächst mittellos dastand. Er arbeitete daher zunächst als Bodyguard. In Korea entwickelte er die heutige Grundform des Hapkido indem er bestimmte Hand- und Fußtechniken des koreanischen Tae-Kyon ( aus dem sich schwerpunktmäßig das heutige Taekwondo entwickelt hat) und des buddhistischen Bulkyo-Mu-Sul, mit seinem erlernten Kampfstil kombinierte.

    Hapkido sollte ein effektives Selbstverteidigungssystem werden. Auf der Basis von ca. 270 Grundtechniken teilte er dieses System in, die Kategorie, Leere Hand gegen leere Hand, Leere Hand gegen bewaffnete Angriffe und Waffen gegen Waffen ein. In der Gründungszeit nannte Choi sein Selbstverteidigungssystem „Dae-Han-Hap-Ki-Yu-Kwon-Sul“. Später nannte er es im Jahre 1953 „Dae-Dong-Ryu-Yu-Sul“ und 1954 dann „Yu-Kwon-Sool“, bis er sich dann schließlich 1956 für die Kurzform Hap-Ki-Do entschied. Im Jahre 1960 gründete Choi dann das „Dae-Han Ki-Do Hwe“ (Stilschule) und ein Jahr später die Schule des Jun-Moo-Kwan.Maßgeblich für die Entwicklung des heutigen Hapkido war die Gründung der „Dae-Han-Hap-Ki-Yu-Kwon-Su-Kwan“ als Resultat des Zusammenschlußes der Großmeister Choi, Suh Bok Sub, Jang Song Ho und Seo Byong Dong.
    Suh-Bok Su war der Sohn des Abgeordneten, dessen Bodyguard Choi gewesen ist. Er war der erste Dan-Träger den Großmeister Choi hervorbrachte. Beide eröffneten 1951 im koreanischen Dae Gue die erste Schule des Kampfsystems von Großmeister Choi (Korean Yu Kwan Sool Hap Ki Dojang). Suh Bok Sub ist jetzt Professor der Sportmassage (National Athletische Universität Korea). Aber nicht alle Schüler von Großmeister Choi konnten sich auf eine Linie des Hapkido einigen. Chi Han Jae erlangte nach einem dreijährigem Training (1953 - 1956) den 3. Dan und trennte sich dann von ihm, da ihm Choi keine hohen Dan Techniken mehr zeigen wollte. Chi Han Jae gründete darauf hin 1957 den Ma-Jan-Dong-Kwan. Er integrierte in sein System viele akrobatische und gesprungene Fußtechniken. Im Jahre 1962 war er Mitbegründer der „Korean Ki Do Association“ und 1965 der Korea Hapkido Association. Er entwickelte seinen eigenen Hapkido-Stil welcher sich „Sin-Moo“ nennt. Die meisten Großmeister und hohen Dan-Grade auf der Welt sind auf dieses System zurück zu führen und nicht auf das ursprüngliche System von Großmeister Choi.
    Auch Großmeister Kwang Sik Myung der Begründer der „Korea Hapkido Yon Moo Kwan Association“ und President der „World Hapkido Federation“ war ein Schüler von Großmeister Choi.

    Hapkido wird daher in verschiedenen Stilformen gelehrt. Jeder Meister und jede Stilrichtung verleiht der Kampfkunst ihren individuellen Charakter.

    Hapkido stellt die Kunst dar, einen gegnerischen Angreifer durch seine eigene Kraft zu überwältigen. Hierbei wird der Angriff in einen Wurf oder eine Hebeltechnik umgelenkt. Es gibt kaum einen Körperteil, der nicht als Abwehr- oder Angriffswaffe eingesetzt wird: Hände, Finger, Fäuste, Knöchel, Ellenbogen, Knie, Füße und Kopf usw. werden effektiv in die Technik mit eingesetzt. Die Kombination von harten und weichen Techniken (Kwan Yu Sul) sind typisch für diese Kampfkunst!

    Hapkido ist eine vielseitige Selbstverteidigung, so daß auch Messer-, Schwert-, Gürtel-, Stab-, Fächer- und Spazierstocktechniken gelehrt werden.

    Hapkido bringt durch die Ausübung von Meditation und Atemtechniken Körper und Geist in Harmonie. Der Ausübende erlangt Selbstvertrauen, erhöht seine Behendigkeit und lernt die Dinge mit dem nötigen Abstand zu betrachten.

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    Ein paar Gedanken zum Stil von Großmeister

    Myung Kwang Sik

    Präsident der World Hapkido Federation

     

     

    Wie wir wissen erhält den 10. Dan nur der Gründer eines Stiles.

    Solange der Stilgründer nichts anderes vorsieht, kann niemand sonst diesen Grad erhalten. Der Großmeister Choi Yong Sul verlieh den 10. Dan an Großmeister Myung, was zur Konsequenz hatte, dass jener dessen Erbe antrat und die Geschicke des Hapkido in der Welt zu leiten hat. Der Wunsch des GM ist es, niemals das Wort Training zu benützen, sondern er spricht von Praxis. Für den Großmeister  ist Hapkido eine Kampfkunst in ihrer ganzen Dimension, kein Sport und daher spricht er auch nicht über Schüler sondern über Anfänger.Die Menschen suchen das Gemütliche, doch oftmals findet sich Qualität nicht im Gemütlichen.                

    Es gibt nur ein Hapkido!

    Es gibt viele verschiedenen Schulen. Hapkido ist, wie jeder wissen sollte, eine Kunst ist, die jeder persönlich ausdrücken kann.

    Hapkido ist eine wahre Kampfkunst und kein Sport. Es ist Kunst und Wissenschaft mit eigenen Prinzipien und Wertvorstellungen  wie  Respekt, Bescheidenheit, Treue, Liebe zum Vaterland, zu den Eltern usw.  Das sind unabdingliche Voraussetzungen für die Praxis. Ein Kampfkünstler  „praktiziert“, ein Sportler „trainiert“. Aus einer echten Kunst kann man keinen Sport machen, mit Regeln und Vorstellungen, die auf der Strasse leider nicht existieren. Doch man kann Veranstaltungen abhalten, bei denen ein Kampfkünstler (immer wenn es ihm sein Meister erlaubt) seine Fähigkeiten darstellt. Doch das sind zwei verschiedene Dinge. Der wahre Kampfkünstler hat sein Ego aus dem Spiel zu lassen.

    Hapkido ist der Weg der Harmonie. Hapkido ist  eigentlich die Mutter aller Kampfkünste. Eine Mutter mit vielen Kindern und Hapkido ist die vollständigste der Künste, so als ob es viele und verschiedene Künste für den Kampf gäbe. Wie eine Hand, jeder Finger ist eine Kunst:  Karate, Muay Thai, Taekwondo, Kung-Fu, Gumdo, Ki Qong, usw.

    „ Der menschliche Körper hat zwei Energieleitbahnen:

    Die innere und die äußere. Die externe ist einfach zu sehen:

    Wie man schlägt, wie schnell man laufen kann,

    wie  weit man springen kann usw. all dies ist begrenzt.

    Doch die innere Energie ist grenzenlos “

     


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